Persönliches zu Koh Samui
Vorbemerkung: Dieser Artikel beschreibt die Insel Koh Samui aus meiner ganz persönlichen Sicht. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!
Eberhard Flöter-Rosdale, Managing Director Unit 202
Koh Samui ist überschaubar klein und doch groß genug, um kein Gefühl der Enge aufkommen zu lassen! Je nach Tempo und Gefährt schafft man die Rundreise auf der so genannten Ring Road in einigen Stunden und ist dann buchstäblich einmal um die Insel gekurvt. Dabei sieht man schon so einiges - kann sich aber trotzdem nur an wenige Dinge erinnern. Das liegt einmal daran, dass die meisten kleinen Geschäfte/Restaurants an der Ring Road irgendwie gleich aussehen oder von sehr, sehr vielen Schildern, Hinweistafeln und Ähnlichem umgeben sind. Begibt man sich dann auf die so genannten Beach Roads, wird dies noch deutlicher. Ist man mit dem Moped unterwegs, erlaubt es schon der Straßenzustand nicht, den Blick schweifen zu lassen. Hinzu kommt die asiatische Mentalität "Irgendwie geht alles!" Dieses Motto wird auch auf den Straßen konsequent angewandt. (Also Vorsicht und Helm beim Mopedfahren!) Für viele Touristen bedeutet schon der Linksverkehr eine Umstellung, aber es kommen einem auch noch auf der eigenen Spur überholende Autos entgegen und manchmal interpretieren andere Verkehrsteilnehmer rechts und links sehr eigenwillig!
Der Osten von Koh Samui: Mallorca läßt grüßen
Eine weitere Erkenntnis unserer kleinen Rundreise: Ab Mae Nam im Norden bis runter nach Lamai konzentriert sich der Tourismus. Hier findet man all das, was eine Tourismusinsel haben muss: Strand, Hotels, Resorts, Spas, Boutiquen, Bars, Restaurants usw. Hier tobt also das Leben. Es kommen einem schon Szenen aus Blade Runner in den Sinn, wenn man sich dieses "asiatische Treiben" anschaut. Es ist heiß, manchmal verregnet und stinkt nach Abgasen . Überall sieht man Taxen und Motorbikers in rauen Mengen. Menschen holen ihr Essen von den Garküchen, die überall am Straßenrand stehen und abends von dazugehörenden Mopeds weggeschleppt werden.
Bitte Lächeln
Trotz aller Geschäftigkeit hat der ganze Trubel mit europäischer Großstadthektik nicht viel gemein. Es wird immer wieder gelächelt. Das macht das Chaos angenehmer. Fast jeder Tourist wird nach einigen Tagen dieses Lächeln kopieren und sich wundern, warum er sich auf Koh Samui so gut fühlt. Egal ob verkaterter Sextourist, genervte Eltern einer Kleinfamilie (Kinder können ja so anstrengend sein) oder abgeklärte Jung- Backpacker, sie alle bekommen dieses Lächeln.
Das liebe Geld
Die Toleranz der Samui Thais ist groß. Halbnackte, kugelbäuchige, verschwitzte Farangmänner werden in einer Bankfiliale genauso nett (lächelnd) behandelt wie der Geschäftsmann im Anzug. Warum? Ganz einfach, jeder Kunde bringt Geld. Das sehen wir ja nicht so schnell und auf den allerersten Blick, aber es ist nach dem Lächeln, das zweite „Samuigesetz“: Was Geld bringt ist gut! (Nicht zuletzt deswegen nimmt bei Expats, die hier auf der Insel leben und mit einer Thaifrau liiert sind, das Dauerlächeln ziemlich schnell wieder ab.)
Verglichen mit Europa lebt man auf Koh Samui immer noch sehr billig. Man zahlt hier etwa ein Drittel dessen, was Vergleichbares in Europa kosten würde. Für 8000 Baht (ca. 167 Euro) kann man ein Haus für einen Monat mieten und Benzin kostet im Moment ca. 30 Baht/Liter (0,63 Euro). Essen kann man für ca. 30-60 Baht (0,63- 1,23 Euro) bekommen. Über Geschmack kann man streiten, aber die Qualität dieses Essens ist gut und Magen-Darm-Beschwerden haben meistens mehr mit dem übermäßigen Alkoholkonsum als mit der Qualität des billigen Essens zu tun.
Thailand hat eine Sonderform des Buddhismus entwickelt, die ich „kapitalistischen Buddhismus“ nenne. Hier stehen die 5 Grundregeln Buddhas einträglich neben dem Grundsatz “Haste was, biste was“ - und es funktioniert ausgezeichnet. Mit Mitgefühl und freundlicher Offenheit wird der Tourist sein Geld los und er lernt so langsam, dass niedrigere Preise erhöhten Konsum bewirken und in Summe (wenn man nicht aufpasst) den Urlaub durchaus kostspielig machen können.
Die Westküste Koh Samui: Ruhe
Koh Samui besteht aber nicht nur aus dem Trubel der Ostküste. Auf der anderen Seite, ich meine damit wirklich den Westteil Koh Samuis, erlebt der Rundreisende Ruhe, leere Strände (deshalb auch manchmal schmutzig und ungepflegt), kleine verschlafene Ansiedlungen und auch noch mit ursprünglicher Bewaldung bedeckte Hügel. Es gibt zwar Metropolen wie Nathon, aber das ist alles kein Vergleich mit dem Osten. Auf der Westseite der Insel findet der vom Tourismus erschöpfte Besucher Besinnliches - wenn er es denn finden will. Die Resorts liegen versteckt, Hotels sind rar. Nebenbemerkung: Ein nicht unerheblicher Teil der Besucher Koh Samuis kommt wegen der Wellnessangebote hierher. Verglichen mit Europa, sind die nach thailändischen Maßstäben exorbitanten Preise für Aufenthalte in den Spas immer noch billig.
Thailand und Sextourismus
Auf Koh Samui gibt es nicht nur Sextouristen! Thailand kämpft ja schon seit Jahren halbherzig gegen das Immage: Thailand = Sextourismus. Die Barwirtschaft wird nicht verschwinden, dazu ist Thailand zu sehr auf diese Einnahmequelle angewiesen. Aber es fällt auf, dass sich der Besuchertypus ändert. Ich habe gehört, die ersten Touristen waren eher Hippies und Weltenbummler, dann kamen die Sextouristen, dann die Aussteiger und jetzt auch verstärkt die Sinnsucher. Alles subjektiv, aber man kann die Anzeichen sehen.
Bauen auf Koh Samui
Und was fällt sonst bei unserer Rundreise auf? In Samui wird wie verrückt gebaut. Scheinbar gibt es einen großen Bedarf an Grundstücken, Villas, Häusern, Hotels, Ressorts, Spas. Und der wird befriedigt. Wer kann, der rodet, baut und vermietet. Wer das Geld hat, kauft Land und Haus. Samui ist in einem Art Propertyrausch und kritische Zeitgenossen sagen, dass dies der Insel nicht gut tut.
Ob Samui wirklich zum Mallorca Thailands wird, kann ich nicht sagen. Noch finde ich es hier sehr erträglich und angenehm. Die Bebauungsvorschriften erlauben keine Hotel-Hochhäuser. Es wird versucht die Insel nicht allzu sehr in der Höhe zu verbauen. Das war es dann aber auch. Allerdings gibt es Gerüchte über Baustopps und neue Auflagen, was die Bebauung von Grundstücken in Höhenlagen betrifft.
Wie dem auch sei, Angebot und Nachfrage passen beim Bau auf Koh Samui nicht immer zusammen. Viele Häuser stehen leer und manch einer hat mit seinem Grundstück unerwarteten Ärger. Mehr dazu im Artikel „Landerwerb und Hausbesitz in Koh Samui“.
Warum Koh Samui?
Warum kommen soviele Besucher ( über 1 Million jährlich) hierher?
Was hat Koh Samui, das andere Urlaubsparadiesinseln nicht haben?
Die Insel hat ein sehr angenehmes Klima, wenn man Wärme um die 30 Grad Celsius mag. Die Regenzeit kann schlauchen, wie im Jahr 2005, als es zu Überschwemmungen kam und tagelang Chaos herrschte. Aber Regen ist manchmal als Abwechslung zur stetigen Sonnenbestrahlung ganz angenehm. Je nach Standort hält sich die Moskitobedrohung sehr in Grenzen. Die Wassertemperaturen sind hoch, 28 Grad Celsius im Durchschnitt.
Auf Koh Samui gibt es für fast jeden den passenden Ort. Von der Bumsbar zum Eso-Spa, von der einfachen Hütte für 400 Baht/Nacht bis zu Hotels europäischer Preisklasse, vom Foodcenter mit Gerichten um die 30 Baht zum teuren Restaurant, auf Koh Samui gibt es einfach für jeden das „Richtige“. Nur Rodeln und Schlittschuhlaufen gibt es noch nicht, aber das kommt bestimmt auch noch.
Das Angebot an Waren und Dienstleistungen ist sehr umfassend, die medizinische Versorgung ausgezeichnet, wenn man das nötige Kleingeld hat. Auf der Insel gibt es alles, was man zum Leben braucht und noch ein bisschen mehr.Allerdings ist das kulturelle Angebot ganz auf das Gros der Touristen zugeschnitten und deckt leider auch deren Geschmack ab. Wer nach Samui kommt, um Avantgarde Jazz zu hören oder sich in Galerien mit moderner Kunst zu befassen, hat das Reiseziel sicherlich verfehlt. Aber ein gutes Buch auf der Veranda zu lesen hat ja auch ein wenig was mit Kultur zu tun. Und es gibt viele Buchläden mit preiswerten (gebrauchten) Büchern in den großen europäischen Sprachen. Das Angebot an Videos und DVDs ist sehr groß und asientypisch kann man hier Filme ausleihen, die in manchen Ländern Europas noch nicht mal in den Kinos sind. Die Qualität lässt manchmal auf Raubkopien schließen und selbst das Samui Cable TV scheut sich nicht, schlecht abgefilmte Originale mit miesester Tonqualität zu zeigen. Wie überhaupt Markenartikel hier sehr billig sind, weil sie keine Markenartikel sind!
Alles in Allem: Das Leben auf Koh Samui ist vergleichsweise einfach und angenehm. Hier kann man per Handschlag ein Haus mieten, auch das Mopedmieten ist einfach und unbürokratisch. Es gibt noch nicht so viele Reglementierungen und die freundlichen Umgangsformen helfen einem sehr, sich zu entspannen.
Fazit: Man kann es sich aussuchen, wie man hier urlauben oder leben möchte.
Ich mag Koh Samui!
