Lady Bars

Was hat ein Artikel über Ladybars und Prostitution auf einer seriösen Web-Site wie Samui Finder  zu suchen?
Wir haben lange hin und her überlegt, ob es richtig ist darüber zu schreiben. Ein Grund es zu tun, sind die vielen - häufig falschen - Geschichten, die darüber kursieren. Ein anderer Grund ist, dass manch Europäer Thailand mit Sextourismus verknüpft, ohne jedoch die Situation im Lande zu verstehen.

Koh Samui ist ja das, als was wir  Koh Samui sehen wollen. Natürlich kann man geflissentlich übersehen, wieso so viele ältere Herren mit relativ jungen hübschen Thaifrauen auf dem Sozius des Mopeds durch die Gegend kurven. Selbstverständlich kann man als Mann die Zurufe, beim Passieren einer Bar, die einem von den Damen entgegenschallen überhören. Aber was solls, es gibt sie die Lady Bars, es gibt sie in großer Anzahl und sie werden besucht, reichlich besucht.

Ich habe mich mit einigen Frauen in Samui unterhalten, die in verschiedenen Bars arbeiten oder gearbeitet haben. Meine Aussagen stützen sich auf deren Berichte. Die Gespräche haben nicht unter Barbedingungen stattgefunden! Die meisten Frauen sind inzwischen fest mit Farangs zusammen. Häufig drehten sich die Gespräche auch um die großen Mißverständnisse die zwischen Farang und Thaifrau bestehen können.  Zu diesem Thema finden Sie im Artikel: Beziehung zwischen Farang und Thaifrau, weitergehende Informationen

Ich habe diese Frauen als starke Persönlichkeiten kennen gelernt, und nicht eine dieser Frauen hat auf mich den Eindruck einer hilflosen ausgebeuteten Person gemacht. Im Gegenteil! Hier also einige Information zum Thema: Ladybars.

Eheschließung und Altersversorgung


Zunächst sollte man wissen, dass in  Thailand bei einer Heirat die Familie des zukünftigen Ehemanns an die Familie der Ehefrau eine Mitgift zahlen muss. Das bedeutet, dass die Töchter für die Familie mindestens so „wertvoll“ sind wie die Söhne. Interessant ist dabei aber, dass die Töchter die Hauptlast für die Altersversorgung der Eltern tragen. Dies ist mit oder ohne Ehemann der Fall. Viele Thais haben keine Altersversorgung in Form einer Rente, wie in anderen Ländern. Ist die Familie wohlhabend, sieht das natürlich alles anders aus. Die Summen, die als Mitgift zu zahlen sind, sind noch höher.

Einkommensverhältnisse

Der Gegensatz zwischen arm und reich ist in Thailand groß.
Eine Sekretärin mit Englischkenntnissen und Hochschulabschluss  kann 7-9.000 Baht im Monat verdienen, Fabrikarbeit bringt 4000-5000 Baht, und eine Lady die in einer Bar arbeitet kann es auf gut und gerne 25- bis 40000 Baht und mehr bringen.
Das statistische Durchschnittseinkommen eines Thaihaushaltes beträgt derzeit (Stand 17.10.2006) 17 122 Baht.

 

Wie wird aus einer 28 Jahre alten geschiedenen Thaiehefrau mit einem Sohn (lebt bei den Großeltern) eine Barlady?


Die meisten Barladies, die mit Farangs zu tun haben, erzählen, dass sie nicht wieder mit Thaimännern liiert sein wollen. Der häufigst genannte Grund: Fremdgehen (butterfly). Sie befürchten, dass Thaimänner, wenn ihr Geldbeutel es erlaubt,  neben ihnen auch eine Nebenfrau (mia noi) halten.

Scheidungen sind problemlos von beiden Seiten ausgehend möglich. Die Frauen haben kaum Versorgungsanspruch aus der Ehe.  Männer sind schon unterhaltspflichtig für die Kinder, aber die Zahlungen finden nicht immer statt.

Hinzu kommen Geldprobleme der Familie oder der Unterhalt für das Kind oder einfach der Wunsch nach Jahren der Arbeit in einer Fabrik endlich mal mehr Geld zu verdienen. Sicher werden auch ganz junge Frauen regelrecht in die Prostitution getrieben, von Eltern mehr oder weniger verkauft. Wir möchten hier nichts verharmlosen. Auch in Thailand ist die Prostitution verboten.

Aber meistens handelt es sich um eine Grauzone: Eine Frau kennt eine andere Frau, die eine Frau kennt, die in einer Ladybar arbeitet. Oft wird dann ein Kontakt hergestellt und es wird eine Reise z.B. nach Samui unternommen, um sich das Ganze mal anzusehen. Es sind also häufig Frauen die den Kontakt zum Barinhaber oder der Barinhaberin  herstellen und das Geschäft einfädeln. Schließlich sind die Bedingungen für die Arbeit in einer Bar, die ich von meinen Informantinnen erfahren habe, aus ihrer Sicht nicht so schlecht. Prostitution ist wie gesagt in Thailand gesetzlich verboten, aber wie wird diese genau definiert?
 

Arbeitsbedingungen


Falls der Frau die Bar und auch der Barbesitzer zusagen, kommt es zu einem mündlichen Vertrag. Der Barbesitzer stellt die Unterkunft, zahlt ihr 20 Baht Essensgeld pro Tag und sie erhält auf jedes Getränk, das ein Kunde für sie bestellt eine Provision (z.B für ein Barcardy Lemon 20 Baht)
Der Cashier in der Bar führt über die Umsätze Buch und regelt die Auszahlungen. Die Frau hat sich an die vorgegeben Arbeitszeiten zu halten. Die Bindung an die Bar gilt solange bis eine vorher vereinbarte Summe gezahlt wird. Diese kann von der Frau, oder meist von einem Farang bezahlt werden. Je nach Bar sind das 3000 bis 5000 Baht.

Bemerkung: Sicher ist hier eine finanzielle Abhängigkeit gegeben und es soll auch gar nicht der Eindruck eine Idylle erweckt werden. Aber es sollte jeder selber entscheiden wie menschlich oder unmenschlich er diese Arbeitsbedingungen seitens des Barbesitzers ansieht.

Arbeitszeiten:

Die Frau hat zu bestimmten Zeiten in der Bar anwesend zu sein. Meist von 18:00 Uhr bis 1:00 Uhr. In Koh Samui schließen die Bars offiziell um 1:00 Uhr in der Frühe. Das bedeutet die Musik wird abgestellt und es wird den patrouillierenden Polizisten nett zugewunken.
Alle  Bars haben ein Zimmer in dem die Frauen übernachten können, falls sie nicht irgendwo anders übernachten. Die Ausstattung dieses Zimmers ist nach europäischen Maßstäben äußerst bescheiden und beengt. In Thailand gelten aber auch andere Regeln.

Die Bar:

Meist ein nach 3 Seiten offener, überdachter Tresen mit Hockern einer „Tanzstange“ und einer lauten, sehr lauten Musikanlage. Es gibt verschiedene Geschicklichkeitsspiele und meist einen Billardtisch.
Die wenigsten Besucher haben auch nur eine leise Chance bei den Geschicklichkeitsspielen gegen die Ladies zu gewinnen.

Wer an der Bar sitzt wird gesehen. Wer die Bar passiert, wird animiert Platz zu nehmen.  Sobald ein Gast die Bar mit einer Lady verlassen möchte, muss er die Lady „auslösen“.
Weitere finanziellen Transaktionen, die dann zwischen dem Gast und der Lady stattfinden, sind nicht mehr Sache des Barbesitzers.

Die Zielgruppe

Was die Barladies außerhalb der Bar verdienen gehört ihnen, sie müssen aber dann am nächsten Tag zur Bar zurückkehren. Deshalb sind die Ladies sehr daran interessiert eine längerfristige Beziehung mit einem Ausländer aufzubauen, der allerdings dem Barbesitzer entschädigen muss. Wenn der Mann den Frauen zusagt, werden sie sich viel Mühe mit ihm geben. Andererseits werden sie ihn schnell wieder verlassen, wenn er ihnen nicht mehr zusagt. Es handelt sich bei finanziellen Fragen um subtile Botschaften. Die Frau würde dem Gast nie direkt nach Geld fragen, sondern das berühmte: "It's up to you" äußern. Seine Reaktion auf diese Frage hilft ihnen sehr schnell den finanziellen Rahmen einzuschätzen. Es werden schon von Anfang an, viele Fragen gestellt, um den Ausländer und seine Möglichkeiten richtig einzuordnen.
Expats mit Barerfahrung werden mit Vorsicht genossen, das könnte z.B. Konflikte mit einer anderen Lady bedeuten, die mit dem fremdgehenden Expat zusammenlebt. Oder er ist auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen für eine Langzeitbeziehung nicht zu haben.

Alleinstehende Neuankömmlinge im Rentenalter sind äußerst begehrt.
Auch junge gutausehende Männer haben gute Chancen, wenn es den Ladies mehr um den Spaß geht, für Langzeitsucherinnen sind sie hübsch aber eher wertlos.
 
Interessant ist hier, das diese Muster sich sehr genau mit den Ergebnissen einer weltweiten Studie decken, die herausgefunden hat, dass Frauen wenn es um Sex geht, junge Männer bevorzugen, mit diesen aber so gut wie nie eine Langzeitbeziehung mit Versorgungs und Beschützercharkter eingehen. Dafür  wird der eher gesetzte, erfolgreiche und ältere Mann gesucht.



Was steht im Vordergrund für die Frauen?


Geld, wie schon oben erwähnt, aber fast noch wichtiger ist es einen wohlhabenden Versorger zu finden - insbesondere für die Familie der Frau.

Frauen die finanziell nur für ihr Vergnügen arbeiten haben in der Lady-Hierarchie einen niedrigeren Rang. Unter den Frauen herrscht eine hohe Hilfsbereitschaft, was sich meist auch im "Geldleihen" ausdrückt.  Aber auch Unterstützung bei Liebeskummer und den Ungereimtheiten des Alltags sind wichtige Bereiche der Solidarität. Richtig gelesen, es gibt wirklich auch Liebeskummer!
Es ist nicht ratsam eine Thai-Frau zu betrügen (finanziell oder auch sonst) oder gegen ihren Willen zu Dingen zu zwingen. Es sind Fälle bekannt wo Farang dafür viel und schmerzhaft Lehrgeld bezahlen mußten.
Dies ist eine der wenigen Verantwortungen die der Barbesitzer übernimmt: Er beschützt seine Mitarbeiterinnen. Bei Konflikten zwischen den Ladies mischt er/sie  sich eher weniger ein, im Notfall "versetzt" er/sie  eine Lady in eine andere Bar.
Umgekehrt wird eine Frau, die nachweislich einen Gast bestohlen hat, von der Insel verwiesen.  Trotzdem ist immer Vorsicht geboten. Vor allem bei Bank-Cards sollte niemand die Geheimzahl kennen, außer Sie selber! Und mit einer vollen Geldbörse zu protzen ist überall auf der Welt eine Dummheit. Aber das alles trifft überall und immer zu.

Es gibt Ladies, die schon 10 und mehr Jahre in Bars arbeiten. Und nicht wenige Frauen kehren nach gescheiterten Beziehungen mit Farangs wieder in eine Bar zurück.

Status der Barladies

Die Arbeit der Barladies wird nicht als widerwärtig oder erniedrigend beschrieben. Ein europäisches (Vor-)Urteil was Altersunterschiede betrifft, gibt es in Thailand so nicht. Es wird nicht als unpassend betrachtet, wenn eine junge Thai Frau einen älteren Mann hat.  Auch ein Mann nach europäischen Vorstellungen nicht attraktiv ist, ist das für die Beziehung mit einer Lady nicht wichtig, wenn der Mann für die Frau finanziell sorgen kann. So erklärt es sich warum hübsche junge Thaifrauen mit älteren Herren kein Problem in der Aussendarstellung haben.

Thai-Farangpaare werden in Restaurants oder Geschäften nie schlecht behandelt. Im Gegenteil, sobald eine Thaifrau mit einem Farang im Schlepptau aufkreuzt, werden automatisch die Preise angepasst. Je nach Zusammenhang können die Preise höher oder niedriger ausfallen.

 


Nicht ohne Grund verlieben sich viele Männer in Thaifrauen, weil sie vielleicht seit langer Zeit zum ersten mal freundlich und auch zärtlich behandelt werden. So zierlich viele dieser Frauen sind (die meisten Farang bevorzugen "skinny Ladies"), und dadurch auf Europäer vielleicht naiv oder kindlich wirken, so sind sie doch ausgesprochen zielstrebig und klar was ihre Belange angeht.


Schlußbemerkung:

Vorurteile gibt es auf beiden Seiten. Viele Thais denken jeder Ausländer schwimmt nur so im Geld. Farangs halten sich oft den Thai gegenüber für überlegen. Die Mischung aus Emotionen und Geschäft ist für viele Farang Neuland und sie fühlen sich ausgebeutet, wollen aber auch nicht auf die angenehmen Seiten der Beziehung verzichten.

Über die Dinge reden kann helfen, sich besser zu verstehen. Ohne Frage gibt es große kulturelle Unterschiede und unzählige Missverständnisse.
Aber respektvoll mit einander umzugehen ist leichter, wenn man die Hintergünde besser kennt.

Bitte lesen Sie bei Interesse auch: Beziehung zwischen Farang und Thaifrau

Seite bookmarken:Diese Seite zu del.icio.us hinzufügenDiese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu Google hinzufügen

Ich suche:

Suche



Suche senden