Alltägliche Begegnungen mit Thais.
Wir Ausländer, auch Farang (Langnasen) genannt, sind Gäste in Thailand und sollten uns entsprechend benehmen. Das liest man immer wieder und sicher stimmt das ja auch.
Andererseit erlebt man auch immer wieder, dass Gastgeber bestimmte Gäste bevorzugt behandeln. So richtig gefallen tut uns das zwar nicht, aber wir sind ja nur Gäste ...
Thailand kennt kein Egalitätsprinzip, es gibt zwar gleich zu gleich in genau definierten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, aber ansonsten herrschen Klassenunterschiede.
Der Farang gehört nicht zur Thailändischen Gesellschaftsordnung. Er ist fremd, er bleibt fremd und er ist ein zahlender Gast.
Es gibt eine sichtbare Ebene der Begegnung mit einem Thai und eine für uns Farang unsichtbare Ebene. Die sichtbare Form ist geprägt vom freundlichem Umgang des Thai mit uns. Ein Lächeln , ein Scherz und Aufmerksamkeit prägen das Geschehen. Das vermittelt uns das Gefühl, gemocht zu werden. Dazu ein Zitat aus Wikitravel: „Nur sollte man als Gast das allgegenwärtige Lächeln nicht mit freundschaftlicher Herzlichkeit verwechseln. Es ist ein Zeichen der Höflichkeit und mehr eine Lebensart als ein Zeichen von Erheiterung.“
Wir interessieren uns zum Beispiel für einen Gegenstand den der Thai zum Verkauf anbietet und sprechen ihn darauf an. Er wird versuchen uns zu verstehen. Bestenfalls sprechen wir nur ein paar Brocken Thai, das reicht zur Verständigung nicht aus, und seinen Dialekt (Südthailändisch) verstehen wir schon gar nicht. Also kommt als Handelssprache Englisch zum Einsatz. Aus der Sicht des Thais sind wir quasi ein Sprachbehinderter, er muss in eine Hilfssprache wechseln, die er sich meist selber mehr schlecht als recht, beigebracht hat. Das ist schon mal ein Teil der unsichtbaren Ebene aus der Thaiperspektive.
Wir hingegen blicken vielleicht auf jahrelangen Englischunterricht zurück, aber nun müssen allerlei Wörter identifizieren werden, die wir so noch nie gehört haben und die vielleicht Englisch sein könnten. Mein Gott, spricht der ein komisches Englisch, was meint er nur? Ach so das heißt quality , und das meint low price .....
Das ist schon mal ein Teil der unsichtbaren Ebene auf der Farangseite.
Der Dialog wird uns in unserem Informationsbedarf kaum weiterhelfen. Spezielle Fragen zu dem Gegenstand verlaufen sehr schnell im Sande. Der Thai ist weiterhin freundlich, er lächelt - aber hinter der Fassade herrscht Desinteresse an den Worten. Mein Buddha, schon wieder so ein Farang, der mich nur nervt, anstatt einfach zu kaufen oder zu gehen.
Der Höhepunkt dieses eigenartigen Dialoges ist dann die Frage nach dem Preis. Sie wird immer verstanden, und es wird der Farangpreis ausgerufen. Der Farangpreis liegt meist um 50 bis 100% über dem Preis, den ein Händler einem Thai gegenüber zu nennen wagt. Zahlt der Farang den genannten Preis, dann hat der Thai seinen Aufschlag für Spezialberatung in Englisch mitgenommen, er ist glücklich und denkt: "Na ja, wenigstens dazu sind die Farang ja gut."
Beim nächsten Laden entdeckt der Farang dann aber dasselbe Produkt, diesmal mit Preisetikett versehen - und zu einem viel günstigeren Preis. Das verschlägt ihm die Sprache. Das ist nicht wirklich schlimm, weil es ja nur um ein paar Euro ging. Aber beim nächsten Mal wird das alles anders laufen!
Jetzt gibt es bei uns eine neue versteckte Ebene in der Kommunikation mit dem Thai: Ich lasse mich doch nicht von einem "Analphabeten" über den Tisch ziehen. Damit entwickelt sich eine Überheblichkeit und Aversion bei uns, und bei allem was in der Beziehung zum Thai schief geht, wird es immer wieder heißen: "Typisch Thai!"
Ich habe vielen Gesprächen unter Expats gelauscht, und das war so ziemlich das Durchgängigste bei allen Themen, die sich um Begegnungen mit den Thais drehten. Und dafür steht "Typisch Thai!" bei vielen Expats: Die stehlen, betrügen, sind unzuverlässig, lügen, können nicht Auto fahren, arbeiten schlampig und sind faul, schlafen den ganzen Tag usw.
Also all das, was auch auf uns Farang zutrifft, wenn wir Vorurteile gelten lassen. Was glauben Sie, was die Thais denken, wenn sie typisch Farang denken? Hier eine Auswahl: Die schwimmen im Geld und feilschen noch wegen 50 Baht rum, laufen rum und kleiden sich wie die letzten Verrückten, lassen sich von der Sonne die Haut verbrennen, trinken schon tagsüber Alkohol und lallen uns an, liegen oben ohne am Strand rum, glauben wohl wir sind blöd, usw. Nur: Im Gegensatz zu uns Farang zeigt der Thai aber seine Einstellung nicht, er wird weiter mit seinem berühmten Lächeln mit uns umgehen.
Sicher ist diese Darstellung etwas übertrieben, sie werden garantiert auch Gegenteiliges erleben. Und ganz falsch wäre es, wenn man aus dem Gesagten die Folgerung zieht, dass wir am besten gar nichts mehr miteinander zu tun haben sollten. Das wird auch schwer möglich sein.
Für Thais spielt Geld halt eine große Rolle - sie haben wenig davon. Es ist also nicht verwunderlich, wenn sie versuchen, mit und beim Farang einen guten Schnitt zu machen. Wie überall auf der Welt hilft es, mit Bedacht vorzugehen. Affektkäufe sind immer mit Verlustgefahren verbunden. Schauen Sie sich um, vergleichen Sie Preise. Machen Sie sich Ihr eigenes Bild von der Qualität eines Produktes.
Wenn Sie sich die Begegnungen mit Thais vereinfachen und der Thaikultur entgegenkommen wollen, sind ein paar ganz einfache Regeln schon sehr hilfreich:
Steigen Sie vom hohen Ross herunter!
In Europa funktioniert auch nicht alles reibungslos. Wir sprechen kaum oder gar kein Thai, warum sollten Thais perfekt Englisch können müssen? Und denken Sie auf keinen Fall, das die Thais blöder sind als wir.
Vermeiden Sie Kritik, vor allem wenn andere dabei zuhören.
Der Gesichtsverlust durch offen geäußerte Kritik kann jede weitere Kommunikation sofort beenden. Auch wenn sie mit Ihrer Kritik Recht haben, sollten sie diese geschickt verpacken, aus der persönlichen Ebene herausnehmen, verallgemeinern und niemals ausfallend vortragen.
Hierzu auch ein Beispiel. Der Inhaber einer mir gut bekannten Firma, wollte eine Verbindungstür in seinem Büro einbauen lassen. In guter Farangmanier wurde dazu eine genaue Maßzeichnung angefertigt, sogar mit Thaibeschriftung und dem Bauleiter übergeben. Während einer Zigarettenpause des Inhabers, wurde das Loch für die Verbindungstür dann eingerichtet - nur natürlich nicht da, wo es hinsollte. Der Inhaber wies mit klaren Worten, den Bauleiter vor der versammelten Bautruppe auf den falschen Ort des Loches hin. Die Folge: Minuten später hatte der Bauleiter die Baustelle verlassen - zusammen mit allen Arbeitern. Das Loch blieb stolze 3 Wochen dort. Erst durch die Vermittlung einer Verwandten einer Thaiangestellten des Inhabers, wurde die Familie des Bauleiters aktiv und bewegte ihn, sein Werk doch zu vollenden.
Nicht aufregen oder aufbrausend werden, wenn etwas nicht sofort so läuft wie Sie es wünschen.
Ich erinnere mich an einen Bustransfer, bei dem der Fahrer aus Versehen die Tasche eines Fahrgastes einem aussteigenden anderen Gast vor die Hoteltür stellen wollte. Der Taschenbesitzer schimpfte auf Deutsch vor sich hin und sagte unter anderem das Wort Idiot. Leider klingt das Wort im Englischen sehr ähnlich und wurde vom Fahrer auch richtig verstanden. Es war für uns sehr schwer ihn zur Weiterfahrt mit diesem Fahrgast zu bewegen.
Fixieren Sie Ihr Gegenüber nicht mit Blicken.
Thais empfinden das als unhöflich. Blickkontakt bei Gesprächen ist anders organisiert als bei uns, auch zwischen Thais. Man kann häufig beobachten, dass sich Thais angeregt unterhalten und dabei in gänzlich verschiedene Richtungen schauen.
Berühren sie Thais nicht einfauch, auch nicht in gutgemeinter Absicht
Berührungen haben in Thailand einen anderen Kontext als bei uns. Das kumpelhafte "in den Arm Nehmen" wird zwar mit einem Lächeln quittiert, aber es bedrängt den Thai.
Auf das Händeschütteln können Sie ganz verzichten. Versierte und im Umgang mit Touristen erprobte Thai geben einem schon mal von sich aus die Hand, aber das ist eher als eine Art Showeinlage zu verstehen.
Thais benutzen den Wai als Begrüßungsritual. Der Wai - der Gruß mit zusammengelegten Händen vor der Brust, dem Kinn oder auch vor der Stirn - ist in verschiedene Respektkategorien eingeteilt, die sich in Höhe der Hände und der Tiefe der Verbeugung ausdrücken. Genaue Regeln bestimmen, welche Respektkategorie für das jeweilige Gegenüber zu wählen ist. Deshalb sollten Sie nicht mit einem Wai antworten, wenn Sie von einem Thai damit begrüßt werden. Lächeln Sie und nicken Sie freundlich zurück.
Wenn wir schon bei Kategorien sind, Thais teilen die Reinlichkeit und Wertigkeit ihres Körpers, von unten nach oben aufsteigend ein. Grob gesagt, Füße sind schmutzig und der Kopf ist rein. Kopfbedeckungen wie z.B. ein Motorradhelm werden tunlichst nicht auf den Boden gelegt. Hände sollten ebenfalls niemals den Kopf eines Thais berühren, auch bei Kindern gilt dies. Falls sie, nach dem Duschen, sich die Füße mit einem Handtuch abtrocknen, das sie auch für den "Restkörper" verwendet haben, dann wundern sie sich nicht, wenn sie von einem/einer Thai für verrückt gehalten werden.
Das man mit dem Fuß niemals den Kopf eines Thai berühren sollte, auch nicht per Versehen, versteht sich daher von selbst. Die Füße sollten noch nicht mal in Richtung eines Thai zeigen. (Ausnahme: Beim Thaiboxen wird ausgiebig von Fußtritten gegen den Kopf Gebrauch gemacht.)
Kleiden Sie sich angemessen.
Es ist ja bei der Hitze verständlich das Shorts und Shirts bequemer sind. Aber nur in Badehose zum Anwalt gehen, um über ein Projekt zu reden, bei dem es um viele Millionen geht? Das passt eigentlich nirgendwo auf der Welt. In Koh Samui habe ich es gesehen, im Wartezimmer bei einem Anwalt. Manche Farang scheinen beim Abflug nach Thailand Teile Ihrer guten Erziehung in der Gepäckaufbewahrung abzugeben und sie erst wieder bei der Rückkehr in die Heimat abzuholen.
Lächeln bitte nicht mißverstehen.
Falls Sie von einer hübschen Thaifrau immer wieder angelächelt werden, während sie z.B. ein Paar Schuhe kaufen, dann sollten sie, wenn sie ein Mann sind, das nicht mißverstehen. Das ist meist nicht der Beginn einer großen Liebe, sondern einfach nur freundlich gemeint. (Ausnahmen bestätigen die Regel!)
Das sind schon die wichtigsten Grundregeln für angemessenes Verhalten. Sie können problemlos gegen all diese Regeln verstoßen: Die Thais sind ausgesprochen tolerant, vor allem wenn sie "farangerprobt" sind. Aber denken sie an die versteckte Kommunikationsebene des Thai: Er stuft sie negativ ein, wenn Sie dagegen verstoßen, sie werden nie mit ihm weit kommen. Er schätzt weiterhin ihr Faranggeld, das wars dann aber auch.
Hier noch eine Liste von Verhaltensregeln, die Wikitravel veröffentlicht hat:
Was man nicht tun sollte:
- Sich lauthals beschweren, herumschreien.
- Mit dem Finger auf Menschen oder geheiligte Gegenstände zeigen.
- Beim Sitzen die Füße anderen entgegenstrecken.
- Kindern über den Kopf streicheln (Erwachsenen sowieso nicht).
- Auf Buddha-Statuen herumklettern. Buddha-Bildnisse sind heilig und sollten immer mit Respekt behandelt werden. Man sollte sich auch nie so in einem Tempel hinsetzen, dass die Füße zum Buddha-Abbild zeigen.
- Tempel mit Schuhen betreten.
- Tempel in "Strandkleidung" - z. B. Shorts oder ärmellosen Tops - betreten.
- In Gegenwart von Mönchen mit überkreuzten Beinen sitzen.
- Als Frau einen Mönch berühren.
- Sich in einem Autobus auf die hinterste Sitzbank setzen, da diese in der Regel für Mönche reserviert ist.
- Geheiligte Gegenstände wie Hausaltäre oder eines der allgegenwärtigen "Geisterhäuschen" berühren.
- Sich respektlos gegenüber der königlichen Familie äußern oder beispielsweise auf einen Geldschein mit dem Abbild des Königs treten.
- Sich während der Nationalhymne die 8 Uhr morgens und um 18 Uhr abends an großen Plätzen und Märkten ertönt, nicht zu erheben und nicht schweigen.
- geizig sein
- schlecht gekleidet sein
- Als Ausländer mit dem Wai zurückgrüssen. Der Wai stellt einen Ausdruck des Statusverhältnis dar. Ein Ausländer hat generell einen eigenen Status. Ein kurzes freundlichen Nicken reicht im Normalfall völlig.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dieser Artikel gibt meine Meinung wieder, er erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Autor: Eberhard Flöter-Rosdale Unit 202. Co., Ltd)
