Beachtenswertes im Umgang mit Thaiangestellten

Sie haben in Thailand eine Private Company Limited (CO., Ltd) erfolgreich gegründet und wollen Thais einstellen. Jetzt sollten Sie vorab einiges wissen, das die Zusammenarbeit mit Ihren neuen Angestellten erleichtert.
Bitte lesen Sie in diesem Zusammenhang auch den Artikel: „Der richtige Umgang mit Thailändischen Geschäftspartnern“.

1) Autokratisches, autoritäres Führungskonzept


Im Gegensatz zu Europa/USA, wo flache Hierarchien, Management by Delegation und teamorientierte Entscheidungsfindungen gepflegt werden, kollidieren diese Führungstechniken frontal mit der thailändischen Sicht und Akzeptanz hierarchischer Strukturen. Soziale Distanz und Rangunterschiede werden bewusst nach außen herausgestellt und lassen eine vertikale Durchlässigkeit „von unten nach oben“ auch in internen Firmenabläufen nicht zu. Entscheidungskompetenz von oben nach unten zu delegieren ist in der traditionellen thailändischen Gesellschaft ebenfalls nicht üblich!
Der Chef hat zu entscheiden, was passiert. Er kann zwar Rat einfordern, aber die Last der Entscheidung trägt er alleine. Es wird von oben gesteuert!
Folglich muss der Chef permanent seine Kompetenz zeigen und beweisen. Was Anweisungen und Entscheidungen betrifft, wird ein harter, klarer Führungsstil akzeptiert. Dabei ist es jedoch wichtig das Gesicht des Thai zu wahren. Daher die Anweisungen ruhig und cool, aber unmissverständlich, in einfacher Ausdrucksweise geben.

2) Kein Informationsfluß von unten nach oben


Als Chef muss man sich selber ein genaues Bild der Abläufe im Betrieb machen. Es gilt die Anweisungen und deren Befolgung durch die Thais permanent zu überprüfen. Dies gilt auch für die Ergebnisse der Arbeiten und deren Realisierungszeitpunkt. Was aus westlicher Sicht kleinkarriert und gängelnd wirkt, ist in Thailand Pflicht! (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!) Vergewissern Sie sich bei jedem Ablaufschritt, dass er richtig und den Anweisungen entsprechend umgesetzt wird. Der Thaimitarbeiter wird Ihnen mit einem klaren Ja auf die Frage antworten, ob er etwas verstanden hat, während Sie sich später wundern, warum der Thai etwas völlig anderes tut, als Sie gefordert hatten. Thais lernen schon in der Schule Anweisungen wiederspruchslos zu akzeptieren. Ein Nein würde als Unhöflichkeit verstanden.
Deshalb kleinteilig prüfen, ehe große Abläufe völlig aus dem Ruder laufen.
Kümmern Sie sich selber um jedes Detail, denn Sie werden auch bei direkten Nachfragen von einem Thaimitarbeiter nur positives hören, selbst, wenn es schon an manchen Stellen brennt.
Seien Sie weiterhin sensibel was Mimik und Gestik der Thais betrifft. Das „Harmoniegebot“ der Thai ermöglicht manchmal nur auf nonverbaler Ebene den Ausdruck von Negativem. Versuchen Sie diese Botschaften zu lesen. Sie können auch versuchen durch direkte Ermunterung den Thai zu bestärken, offen zu reden (immer nur unter 4 Augen!), aber ganz wird er sich nie vom „Harmoniegebot“ entfernen.

3) Sanuk


Thais lieben Zusammenarbeit in Gruppen. Sie stellen sehr schnell Kontakt untereinander her, und achten sehr auf das Wohlbefinden ihrer Kollegen. Historisch ist die Teamarbeit und auch der Spaß, der dabei entstehen sollte, im Reisanbau verwurzelt. Manche Theorien zum Konsumverhalten, zur Arbeitseinstellung und zum Umgang der Thais mit Geld beziehen sich ebenfalls auf die Besonderheiten des Reisanbaues. 
Dieser ist geprägt durch sehr arbeitsintensive Phasen, die nur in einer Gruppe zu bewältigen sind und Wartezeit. Nach der Ernte und dem Reisverkauf ist Geld vorhanden, das dann auch meist sehr schnell ausgegeben wird. Sparen ist nicht unbedingt notwendig oder möglich, aber es kommt ja bei der nächsten Ernte wieder neues Geld. Thais können ungemein fleißig sein. Sie sind sehr geschickt aus den gegebenen Umständen das Beste herauszuholen, wenn bei der Arbeit auch Spaß anfällt. Thais lachen gerne und viel und gemeinsam wird die Arbeit leichter. Sobald aber etwas erledigt ist wird nicht selbstständig nach einer anderen Betätigung gesucht. Die Arbeit ruht dann.

4) Soziale Fürsorge


Nicht nur Fach- und Sachkompetenz wird vom Chef in Thailand verlangt, er hat darüber hinaus auch eine fast schon väterliche Fürsorgepflicht den Angestellten gegenüber zu entwickeln. Informieren Sie sich also über die familiäre Situation Ihrer Thaimitarbeiter, stehen Sie ihm mit Rat und Tat zu Seite, wenn es Probleme gibt. Laden Sie öfter zu Firmenessen ein und denken Sie dabei auch an die Partner der Angestellten und laden sie diese mit ein. Nehmen Sie auf jeden Fall auch Einladungen an.
Die soziale Bindung zwischen Vorgesetzten und Angestellten ist ein starker Stabilisierungsfaktor für die Tragfähigkeit einer langen und beständigen Zusammenarbeit. Wenn Sie geschickt damit umgehen, werden Sie eine hohe Loyalität des Thaiangestellten für Sie erhalten. Thais sind weniger Systemen als Personen gegenüber loyal.

5) Kritik


Wenn auch ein fürsorgliches Miteinander besteht, so gibt es einen wichtigen Punkt im Umgang mit Thais, der unbedingt beachtet werden muss.
Kritisieren Sie Thais nicht direkt für Fehler oder Misserfolge. Am Besten verallgemeinern Sie die Kritikpunkte, betten sie in viel Positives ein und fügen erst ganz am Schluss in Nebensätzen die unschönen Dinge ein. Niemals Thais vor anderen Mitarbeitern abkanzeln. Das klingt jetzt alles sehr bedrohlich und für uns auch etwas ungerecht, aber wir sollten es akzeptieren lernen. Ebenso sind Leistungsvereinbarungen und Zielorientierungen nicht sonderlich geeignete Mittel der Mitarbeitermotivation. Der Druck ist für die meisten Thais zu hoch und auch nur das Geld zählt nur, wenn es tatsächlich sofort greifbar ist.
Wenn Sie mit Dschai Yen (kaltes Herz; gemeint ist ruhig, überlegt und besonnen) agieren und in freundlichem Ton mit den Mitarbeitern umgehen, können Sie viel erreichen.

6) Geduld und nochmals Geduld


Fast jeder Farang, der in Thailand geschäftlich zu tun hat, wird Geschichten erzählen können, die von Mißverständnissen, eigentümlichen Arbeitsauffassungen und Zeitproblemen mit Thais handeln. Aber bitte vergessen Sie nicht, die westliche Kultur ist für den Thai genauso fremd, wie seine Kultur uns fremd ist. Mit viel Geduld, Verständigungsbereitschaft und einer gewissen Lockerheit den Dingen gegenüber kann man den Spagat zwischen West und Ost doch schaffen. Bitte beachten Sie auch, dass die Globalisierung ein Schlagwort ist, das erst mit Leben erfüllt werden muss. Gerade die kulturellen, nicht die technologischen oder monetären Barrieren erschweren oft die Zusammenarbeit.
Aber es lohnt sich, sich mit der neuen Kultur auseinander zu setzen. Wir Farang können dabei auch viel für uns lernen.

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